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Hörverstehensübungen

Das Web bietet eine Fülle von Ressourcen, die man erst einmal finden muss, von Podcasts über kurze Hörverstehenstexte mit Tests bis hin zu vertonter Literatur. Die umfassendste Link-Sammlung habe ich bei Christine Bauer-Ramazani gefunden und möchte hier einige davon genauer vorstellen.

Die meisten Hörverstehensübungen lassen sich nur online durchführen, so zum Beispiel die von Randall’s ESL Lab. Hier werden in mehreren Schwierigkeitsstufen Hörtexte zu Alltagsthemen angeboten, die durch entsprechendes Material gut im Unterricht einsetzbar sind (Pre-Listening, Listening Comprehension, Vocabulary).

Da man aber nicht immer den Computerraum zur Verfügung hat, sind solche Seiten hilfreicher, von denen man die MP3-Dateien sowie das Unterrichtsmaterial herunterladen kann. Hervorragend ist hier Breaking News English, eine Seite, die Hörverstehenstexte zu aktuellen Themen anbietet, jeweils mit ausführlichen Tipps, Aufgaben und Aktivitäten in einer separaten pdf-Datei. Im Archiv kann auch nach älteren Beiträgen gesucht werden. Damit man nichts Neues verpasst, lässt sich die Seite über einen RSS-Feed abonnieren.

Während Breaking News English auf Nachrichten spezialisiert ist, geht es auf elllo (English Listening Library Online) um Alltagsthemen, die in Dialogen behandelt werden. Alle Texte lassen sich als MP3 herunterladen, aber nicht zu allen gibt es ausdruckbare Skripte und Übungen. Online finden sich immer das Skript und ein kleiner Hörverstehenstest und, was besonders gelungen ist: Wenn man die im Skript enthaltenen Links anklickt, kann man sich dazugehörige Erklärungen anhören.

Weitere Links mit Tipps zum Einsatz im Unterricht finden sich auf der Seite von Herrn Rau.

Namenkunde

Das Grundgerüst zu dieser Einheit stammt nicht von mir, sondern einer lieben Kollegin. Erweitert habe ich es in Bezug auf im Internet verfügbare Informationen und die Schwerpunktsetzung „Vortragstechniken“. Bisher habe ich diese Einheit zweimal in einer 8. Klasse durchgeführt, aber auch 7. oder 9. wären durchaus denkbar. Da die Schüler sich sehr gern mit Namen beschäftigen, vor allem mit ihrem eigenen, ist das Thema eigentlich ein Selbstgänger und eignet sich gut für einen kleinen Motivationsschub zwischendurch. Je nachdem, welche Bausteine man verwendet, kann man sechs bis acht Stunden (oder auch mehr) dafür ansetzen.

Baut man eine Internetrecherche in die Einheit ein, lässt sich nebenbei auch noch die Problematik des Internets aufzeigen: Gerade bei dem Versuch, Namensbedeutungen zu ermitteln, landet man ganz schnell auf kostenpflichtigen Seiten.

Gegliedert ist die Einheit in drei Teile: Spitznamen, Entstehung und Herkunft von Nachnamen, Bedeutung von Vornamen (fächerübergreifend wäre natürlich auch interessant, Ortsnamen mit hinzuzunehmen und die Bedeutung von Ortsnamen in der Umgebung zu erkunden, aber da habe ich mich noch nicht herangewagt). In welcher Reihenfolge man die Teile anordnet, ist ein bisschen auch Geschmackssache; so spricht z.B. einiges dafür, mit Vornamen anzufangen.

Spitznamen

Im Zentrum stehen hier die Fragen: Was ist ein Spitzname? Wie kommt man zu einem Spitznamen? Welche Typen von Spitznamen gibt es? Welche Wirkung haben Spitznamen?

Ausgegangen wird hier von den in der Klasse üblichen Spitznamen. Am besten lässt man in  Kleingruppen möglichst viele sammeln und anschließend nach ihrer Wirkung an der Tafel sortieren (Smileys können als Gliederungshilfe — positiv, neutral, negativ — verwandt werden). Um zu einer systematischeren Sortierung zu kommen, kann die Folie „Übernamen“ eingesetzt werden. Nachdem die Begriffe Kosename und Beiname vom Begriff Spitzname abgrenzend definiert wurden, kann man zur Bildung von Spitznamen übergehen. In starken Klassen kann man ausgehend von den an der Tafel stehenden Namen die Bildung ableiten  und dann die Namen entsprechend zuordnen lassen. Man kann aber auch die auf der Folie vorhandenen Möglichkeiten vorgeben und dann die entsprechenden Namen dort eintragen lassen. Je nach Ausgangsmaterial müssten weitere Möglichkeiten ergänzt werden. So fehlen auf dieser Folie z.B. Ableitungen von Nachnamen oder Berufe der Eltern, weil es entsprechende Spitznamen in der Klasse nicht gab.
Abschließend wird die Wirkung solcher Spitznamen diskutiert, zum einen, was sie über die Beziehung von Namensgebern und Benannten aussagen und zum anderen, wie sie auf die Benannten wirken. (Die auf der Folie vorgegebenen Lösungsmöglichkeiten wurden von meiner letzten Klasse genannt; es sind auch noch andere denkbar.)

Um  die Problematik gerade von Spitznamen zu betonen, kann im Anschluss  die Kurzgeschichte „Ein kleiner bebrillter Ömmes“ von Josef Reding oder der Anfang von „Professor Unrat“ von Heinrich Mann gelesen werden. (Leitfragen: Wie sind die Figuren zu ihrem Spitznamen gekommen? Wie reagieren sie auf den Spitznamen? Warum reagieren sie so empfindlich?).

Zeitbedarf: 2-4 Stunden

Entstehung und Herkunft von Nachnamen

Für diesen Teil habe ich mich sehr großzügig auf der Seite Onomastic.com bedient, und ein sehr herzlicher Dank geht an dieser Stelle an Thomas Liebecke, der es gestattet hat, die aus seinen Texten zusammengestellten Arbeitsblätter hier einzustellen. (Auch über den Bereich Nachnamen hinaus lohnt ein Stöbern auf seiner Seite. Meines Erachtens nimmt sie, was die Informationsdichte anbelangt, eine Sonderstellung im Netz ein.) Die Inhalte der Arbeitsblätter sind auch noch einmal auf dieser Mindmap zusammmengefasst.
Schwerpunkt dieses Themenbereichs ist die Informationsentnahme aus Sachtexten mit anschließender Visualisierung und Präsentation (Die genaue Aufgabenstellung findet sich auf den Arbeitsblättern.). Voraussetzung hierfür ist, dass verschiedene Möglichkeiten der Visualisierung bekannt sind bzw. vorher eingeführt werden (Mind Map, Beziehungsdiagramm, Flussdiagramm). Zur Bearbeitung werden Kleingruppen gebildet, die jeweils ein Unterthema bearbeiten — am besten nicht mehr als drei Schüler pro Gruppe. Da es nur vier Unterthemen gibt, muss man i.d.R. Themen doppelt besetzen. Wichtig ist, während der Arbeit darauf zu achten, dass die von den Gruppen vorzubereitenden Folien bzw. Poster möglichst wenig Text enthalten. Den Vortrag hält dann jeweils die Gruppe mit dem besten Konzept.
Im Anschluss bietet sich dann eine Recherche an, in der die Schüler versuchen, Herkunft und Bedeutung ihres eigenen Nachnamens zu ermitteln. Während viele Namen sich schon durch das eben erworbene Hintergrundwissen erschließen lassen, sind für andere weitergehende Recherchen notwendig. Sollten keine entsprechenden Lexika zur Verfügung stehen, lohnt sich in jedem Fall ein Vorbeischauen auf der Seite des mdr, die eine Liste mit Nachnamen und deren Bedeutung enthält. Einen Überblick über die geographische Verbreitung seines Nachnamens in Deutschland erhält man auf der Geogen-Seite von Christoph Stoepel.

Zeitbedarf:
Gruppenarbeit: 2 Std.
Präsentation: 1-2 Std. (je nachdem, wie viel Raum man dem Feedback für die Referenten geben möchte)
Recherche: 1 Std.

Bedeutung von Vornamen

Leitfragen wären hier: Was bezwecken Eltern mit der Namensgebung? Gibt es Unterschiede zu früheren Zeiten? Welche ursprüngliche Bedeutung haben Vornamen?

Ausgehen kann man auch hier wieder von den Namen der Schüler, und zwar indem man sie zu Hause erfragen lässt, wie ihre Eltern auf den jeweiligen Vornamen gekommen sind. Voraussichtliche Ergebnisse: Tradition, Klang des Namens, Verbindung mit bestimmten Schauspielern, Romanfiguren, Individualität o.Ä..
Anschließend lässt man die Schüler aus Namenslexika die Herkunft und ursprüngliche Bedeutung ihres Vornamens ermitteln — am besten wieder in Kleingruppen. Sollten an der Schule keine Namenslexika vorhanden sein, kann man die Schüler bitten, welche mitzubringen: Viele Familien haben welche zu Hause stehen bzw. man kann sie aus der örtlichen Bibliothek ausleihen. Wenn man systematischer vorgehen will, kann man auch eine Liste von Vornamen vorgeben (z.B. lateinischer, germanischer, englischer, französischer Herkunft), um dann zur Frage überzugehen, warum denn ursprünglich jeder Name eine bestimmte Bedeutung hatte (magische Komponente, Wunsch der Eltern, dem Kind bestimmte Eigenschaften mitzugeben). Ein Exkurs zur Namensgebung anderer Völker (z.B. Indianer) wäre hier sicher sehr reizvoll, ist aber bei mir aus Zeitgründen bisher unterblieben. Wenn es geeignete Texte gäbe, wäre hier auch eine fächerübergreifende Zusammenarbeit mit Englisch denkbar.

Nachtrag:

Auf der Seite schule.at finden sich weitere Links zum Thema.

Außerdem findet sich inzwischen ein weiterer Unterrichtsvorschlag zum Thema beim Lehrerfreund.