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Fallstricke im Internet

Wir alle gehen eigentlich ziemlich unbefangen mit dem Internet um und fordern auch von unseren Schülern, dass sie dieses nutzen. Dass dieses Medium allerdings auch Gefahren birgt und der Umgang damit eingeübt werden muss, vernachlässigen wir unter Umständen bei der ganzen Begeisterung über die Möglichkeiten — was dann auch zu Recht von den Eltern moniert wird. Andererseits sind auch viele Eltern überfordert, weil sie nicht über das nötige Hintergrundwissen verfügen, und reagieren dann geschockt, wenn unerwartet eine Rechnung über ein von ihrem Kind abgeschlossenes Abo ins Haus flattert oder mysteriöserweise die Telefonwerbung massiv zunimmt.

Aus aktuellem Anlass habe ich ein paar Tipps für die Internetnutzung zusammengestellt, die z.B. als Diskussionsgrundlage auf einem Elternabend dienen können.

Nachtrag zum Thema Abmahnungen: Wesentlich umfangreicher als der Link im oben angegebenen Dokument informiert das unter diesem Link herunterladbare E-Buch über dieses Thema (Tipp der Lehrerrundmail).

Parodien auf Weihnachtslieder

Es ist zwar etwas spät, aber hier kommt eine nette Idee für die letzten Tage vor Weihnachten, passend für Weihnachtsmuffel wie mich, denen es schwer fällt, in dieser hektischen Zeit irgendwie in der Klasse eine besinnliche Stimmung herbeizuzaubern — Zeitbedarf etwa zwei bis drei Stunden (ab 7. Klasse).

  1. Die Schüler listen erst einmal für sich selbst auf (gern auch als Brainstorming, wenn die Methode bekannt ist), was sie an Weihnachten überhaupt nicht leiden können. Anschließend tauschen sie sich in Kleingruppen darüber aus, welches die fünf wichtigsten Punkte sind, und stellen diese der Klasse vor.
  2. Anschließend werden bekannte Weihnachtslieder „gesammelt“; es kann auch nicht schaden, wenn die Schüler sie sich innerhalb der Gruppe gegenseitig vorsingen.
  3. Jeder sucht sich jetzt „sein“ Lied aus und dichtet es um, sodass eine weihnachtskritische Parodie entsteht. Dies kann auch gut als Hausaufgabe gegeben werden.
  4. In der Gruppe tragen sich die Schüler gegenseitig die Lieder vor und glätten gegebenenfalls den ein oder anderen Vers. (Bei Bedarf helfe ich hier auch ein.) Die besten werden zum Vortrag vor der Klasse ausgewählt. Der Vortrag kann dann z.B. im Rahmen einer „alternativen“ Weihnachtsfeier (mit Keksen!) zum Abschluss stattfinden.

Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber man könnte das auch in einer neunten oder zehnten Klasse durchführen. Hier würde ich jedoch Lieder mitbringen und die zunächst besprechen (z.B. We wish you a Merry Christmas, Jingle Bells).  Für die Vorbereitung vor dem Schreiben bräuchte man auch etwas mehr Zeit, um das Vokabular zu sichern.

Rechtschreibung (Unterstufe)

Es ist natürlich leicht, in die „Früher-war-alles-besser-Falle“ zu tappen, aber mein subjektives Gefühl, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder seit meiner eigenen Schulzeit extrem nachgelassen haben, ist inzwischen durch mehrere Studien bestätigt worden. Aus welchen Gründen auch immer fehlt zu vielen Schülern Grundwissen, wenn sie von der Grund- auf die weiterführende Schule wechseln. Schuldzuweisungen, etwa an die Schulen, die Elternhäuser oder die Medien oder die Gesellschaft im Allgemeinen helfen hier nicht weiter. Es müssen vielmehr pragmatische Wege gefunden werden, um diese Defizite auszugleichen, die sich sonst ein ganzes Schulleben und noch darüber hinaus fortsetzen. Eine Laisser-faire-Haltung etwa im Sinne von „Ist doch nicht so wichtig; Rechtschreibfertigkeiten sagen schließlich nichts über die Intelligenz aus“ hilft den Betroffenen nicht, denn spätestens wenn sie sich um eine Stelle bewerben, kann sich eine Rechtschreibschwäche als Knock-out-Kriterium erweisen.Eine weitere Beobachtung, die nicht nur ich, sondern auch viele Kollegen gemacht haben, betrifft das gezielte Einüben von Rechtschreibschwierigkeiten: Konzentriert man sich auf einzelne Phänomene und Regeln, stellt man fest, das gerade die Schwächeren nicht davon profitieren, sondern vielmehr noch verunsicherter sind als zuvor. Dies zeigt sich u.a. an einer erhöhten Verwechslung der geübten Schreibweisen. Bei den Betroffenen bleibt so vor allem hängen: „Das lerne ich nie!“ — Nicht gerade die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Rechtschreibkarriere.

Für meinen Unterricht habe ich deshalb folgende Schlüsse gezogen:

  1. Richtig schreiben lernt man nur durch Schreiben. Deshalb vergeht bei mir (fast) keine Stunde, in der nicht geschrieben wird, und seien es auch nur ein paar Sätze. Ähnlich verfahre ich bei den Hausaufgaben, die nur in Ausnahmefällen (z.B. Leseübungen) rein mündlich sind.
  2. Richtig schreiben lernt man nur durch richtiges Schreiben. Fehler, und seien sie auch nur zu Demonstrationszwecken angeführt, lasse ich nie von den Schülern abschreiben, auch nicht für Merkzettel. Bei Arbeiten müssen meine Schüler nur eine fest begrenzte Anzahl von Fehlern berichtigen, diese aber perfekt. (Schüler, die sowieso schon viele Fehler gemacht haben, bauen in eine unüberschaubar lange, und damit frustrierende Berichtigung nur noch mehr Fehler ein. Der Lerneffekt ist dann gleich null.)
  3. Rechtschreibung ist immer wichtig, nicht nur, wenn man für Diktate übt. Bei Schreibübungen erfolgt (fast) immer eine Überprüfung der Rechtschreibung, sei es durch mich oder Mitschüler. Bei Aufsätzen plane ich eine Korrektur- und Überarbeitungsphase ein, in unteren Klassen bevorzugt in der darauffolgenden Stunde am nächsten Tag, weil die Konzentration dann besser ist. (Wenn die Verbesserungen mit Bleistift gemacht werden, erfährt man Aufschlussreiches über die Korrekturstrategien der Schüler und kann entsprechend Tipps geben. Außerdem vermeidet man so das Problem, dass etwas Unerlaubtes (inhaltliche Verbesserungen) hinzugefügt werden könnte.)
  4. So weit möglich, verzichte ich vor allem in den unteren Klassen auf Kontrastierungen, weil diese nur noch mehr verwirren. Geht es in einer 5. Klasse also um das Festigen der Schreibung mit Doppelkonsonanz, versuche ich, die Schreibung bei Langvokal auszuklammern. Nur wenn Ersteres gefestigt ist, gehe ich zum Zweiten über, vorzugsweise erst in einer späteren Einheit.
  5. Weniger ist mehr: Ich versuche, den Kindern wenige eingängige Proben und Strategien auf den Weg zu geben und Ausnahmen möglichst auszuklammern. Schreiben erfolgt intuitiv. Es ist unrealistisch zu glauben, dass man den Schülern hilft, wenn man ihnen möglichst viele Regeln an die Hand gibt. (Erschreckt hat mich ein Kollege, der vor längerer Zeit in einem Diskussionsforum des Lehrerfreunds zum Thema „Rechtschreibreform“ alle Regeln und Besonderheiten der S-Schreibung durchdeklinierte, um zu zeigen, wie widersprüchlich die Regelungen seien. — Wenn er so unterrichtet, kann ich verstehen, dass die Schüler am Ende ratlos sind.) Vielmehr müssen die Schüler lernen, sich beim Üben auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es gilt nicht in erster Linie, alle Wörter richtig zu schreiben, sondern die meisten. Beispielhaft ist hier m.E. das Übungsheft des Klett-Verlags Richtig Schreiben — aber sicher. Darin wird den Lernenden gezeigt, was sie können müssen um möglichst viele Wörter sicher zu schreiben. Ausgehend von diesem Heft habe ich für meine Schüler ein Übersichtsblatt entwickelt, in der die wichtigsten Strategien und Proben hierarchisch geordnet sind, also vom Einfachen zum Komplexen übergehen. Wann ich dieses Blatt hineingebe oder ob ich es ggf. vereinfache, ist abhängig vom Leistungsstand der Klasse. Zum einen lässt es sich einsetzen, um sinnvolle Berichtigungen anzufertigen (bei Fehler ähnlich geschriebene Wörter bzw. Probe anführen) oder um Schüler dazu anzuregen, sich gezielt „Spickzettel“ gegen ihre eigenen Schwierigkeiten anzufertigen.
  6. Bei besonders rechtschreibschwachen Schülern fordere ich zusätzliches Üben ein — vorzugsweise in Zusammenarbeit mit den Eltern, z.B. in Form von Diktaten oder Abschreibdiktaten (nicht mehr als fünf Min. pro Tag) oder durch Anfertigen von Merkzetteln. Bei Letzteren kann man die Wirkung erhöhen, indem jedes Phänomen auf einen separaten, möglichst verschiedenfarbigen Zettel notiert wird. Wenn diese Zettel dann an unterschiedlichen Pätzen zum Lernen aufgehängt werden, hilft dies zusätzlich, Verwechslungen zu vermeiden. Darüber hinaus kann man noch das Üben mit einem Lernheft (mit Lösungen) empfehlen, z.B. das oben angeführte.