Monatliches Archiv: September 2007

Märchen (6. Klasse)

Abgesehen von den Einheiten in den Lesebüchern (an unserer Schule arbeiten wir mit dem Deutschbuch von Cornelsen) findet sich auf den folgenden Seiten eine Fülle von Material bzw. Arbeitsanregungen, mit denen man eigene Akzente setzen kann:

Am Beginn der Einheit steht erst einmal das Lesen und Erzählen von Märchen, wobei sich oft herausstellt, dass die Kinder kaum noch Märchen kennen, und wenn, dann nur in der Disney-Zeichentrickversion oder aus der Serie Simsala Grimm. Ausgehend von diesem Befund stelle ich dann eine Reihe von Märchen zusammen, die entweder gemeinsam gelesen und untersucht bzw. selbstständig gelesen werden sollen. (Dabei ist durchaus erwünscht, dass die Kinder sich einen Märchenband aus der Bibliothek ausleihen, sollte zuhause keiner vorhanden sein.) Nebenbei kann man dann auch noch den Unterschied zwischen mündlich erzählten und schriftlich festgehaltenen Märchen thematisieren, denn wenn die Kinder selbst Märchen mit in den Unterricht bringen, werden schnell die unterschiedlichen Varianten sichtbar.

Der zweite Schritt besteht dann im Untersuchen von Märchen, um die typischen Merkmale herauszuarbeiten. Abhängig von den gelesenen Texten könnte ein Tafelbild entstehen bzw. Arbeitsblatt ausgefüllt werden. (Methodisch könnte man entweder lehrerzentriert mit Unterrichtsgespräch und Festhalten an der Tafel/dem OHP arbeiten oder mit arbeitsteiliger Gruppenarbeit, wobei dann die einzelnen Schülerergebnisse auf Folie festgehalten, vorgestellt und anschließend für die Klasse kopiert werden.)
Fruchtbar sind im Anschluss an die Erarbeitung Diskussionen über die Allgemeingültigkeit dieser
Merkmale. Wer ist z.B. beim „Froschkönig“ die Heldenfigur? Der
verzauberte Prinz oder die verwöhnte Prinzessin? Ist „Hans im Glück“
nach diesen Merkmalen überhaupt ein Märchen?

Jetzt geht es an den kreativen Teil: selbst Märchen schreiben. Sehr viele Schreibanregungen finden sich in der Märchenwerkstatt (s.o.). Ich selbst habe mich intensiv mit den Übersetzungen befasst, wobei man ein modernes Märchen in die Gegenwart bzw. Zukunft überträgt. Zunächst erarbeitet man mit den Schülern die Figuren sowie die einzelnen Stationen der Handlung eines relativ übersichtlichen Märchens (z.B. Froschkönig, Rotkäppchen, Dornröschen, Aschenputtel, Frau Holle, …). Die Schüler müssen sich nun überlegen, wie man die Handlung sinnvoll übertragen kann, sodass ein neues, modernes Märchen entsteht, bei dem man dennoch die Strukturen des alten erkennen kann. Als Hilfe erhalten sie hierfür ein Arbeitsblatt, auf dem sie stichwortartig ihre Ideen eintragen. (Gleichzeitig übt man dabei das Erarbeiten eines Konzepts vor dem Schreiben.)

Wenn man dies als Klassenarbeit stellt und die Kriterien entsprechend formuliert, macht die anschließende Korrektur sogar Spaß, weil man viele interessante Texte erhält, die sich auch noch zügig bewerten lassen. Ausreichend wäre, wenn sich der Schreiber wenig von der Vorlage löst und nur schematisch überträgt; mangelhaft, wenn das neue Märchen in sich unstimmig wird bzw. man die Vorlage nicht mehr wiedererkennt; gut bis sehr gut, wenn Handlung, Figuren und Raum zu einem in sich stimmigen Ganzen verarbeitet werden.

Ablauf der Arbeit:
Dauer: zwei Schulstunden

  1. Märchentext lesen
  2. Ideen in das Arbeitsblatt eintragen (Stationen sind von mir vorformuliert, damit die Texte nicht ausufern)
  3. Text schreiben
  4. Rechtschreibkorrektur (Sollte die Zeit nicht ausreichen, gebe ich im eigenen Interesse die Hefte in der Folgestunde noch einmal für ca. 15Min. aus. Wenn man die Korrekturen in dieser Stunde mit Bleistift durchführen lässt, können keine inhaltlichen Änderungen vorgenommen werden, ohne dass man es merkt.)