Monatliches Archiv: April 2007

Harvey and Audrey Bilker: Apartment Hunting (1973)

Gefunden in: H.Heuermann, W. Schubert Science Fiction USA.Cornelsen 1979

Themenbereich: Science Fiction, Overpopulation, Bureaucracy

Dies ist eine ziemlich schwarze Kurzgeschichte, in der es um ein junges Ehepaar geht, das eine neue Wohnung sucht. Allerdings leben die Reardons im New York der Zukunft, in dem aufgrund von Überbevölkerung eine dramatische Wohnungsnot herrscht und wo Geburten streng limitiert sind.

Die Reardons, welchen die Genehmigung erteilt wurde, ein Kind zu bekommen, müssen innerhalb einer bestimmten Zeit eine größere Wohnung finden, damit diese Erlaubnis nicht wie zuvor schon erlischt. Die Kurzgeschichte handelt nun von dem Tag der Wohnungssuche, an dem sie an den Mühlen der Bürokratie fast verzweifeln — im Wohnungsamt werden sie von Zimmer zu Zimmer geschickt, bis sie alle nötigen Unterlagen erhalten. Spannung wird durch den ständigen Hinweis auf das Verstreichen der Zeit erzeugt, denn sie müssen die ihnen zugeteilte Wohnung innerhalb dieses Tages beziehen, damit diese Zuteilung nicht verfällt und sie erst in mehreren Jahren wieder eine neue Chance erhalten. Der Einzug gestaltet sich aber schwieriger als gedacht, da die Vorbesitzerin die Wohnung nicht freiwillig räumen will . Aus diesem Grund müssen die Reardons von der Waffe Gebrauch machen, die in dem Apartment Entry and Possession Kit enthalten ist, das ihnen zuvor von der Behörde mit auf den Weg gegeben wurde….

Es stellt sich also erst am Ende der Geschichte heraus, dass in dieser Gesellschaft jeder ab 55 Jahren zum Abschuss freigegeben ist, um der nächsten Generation Platz zu machen, sodass der eher unverfängliche Titel auf makabre Weise wörtlich zu nehmen ist. Gleichzeitig stellt sich der Marathon durch das Amt sowie die anschließende Inbesitznahme der Wohnung als eine zynische Variante des survival of the fittest dar.

Aufgaben

Es empfiehlt sich, vor dem Lesen das Thema Wohnungssuche zu thematisieren, um so auf den Titel „Apartment Hunting“ hinzuführen, ohne jedoch auf die Doppeldeutigkeit hinzuweisen. Vor dieser Folie kann dann die Geschichte gelesen werden. Reizvoll ist es auch, den Schluss wegzulassen (ab dem Punkt, an dem die Reardons in die Wohnung einbrechen), um zunächst die Schüler Mutmaßungen über den Fortgang anstellen zu lassen. Über den Vergleich mit dem tatsächlichen Ende kann sich dann eine interessante Diskussion ergeben.

Inhaltssicherung:

  1. Explain why it is so important for the Reardons to find a new apartment.
  2. Describe the difficulties they encounter at the Department of Demography.
  3. Personal life is regulated strictly by the state. Give examples.
  4. Explain the function of the Apartment Entry and Possession Kit.

Analytische Aufgaben

  1. Analyse in what way tension is being created. (Über den wiederkehrenden Hinweis auf den knappen Zeitrahmen — Reardon betätigt buchstäblich in letzter Sekunde den Abzug — und über die zunehmende Anspannung der Hauptfiguren, vor allem Ms Reardons)
  2. Explain the role the second clerk has in this short story. (Dieser 54-Jährige weist mit seinen düsteren Kommentaren auf das Ende hin, was sich allerdings erst beim zweiten Lesen erschließen dürfte. Im Nachhinein wird deutlich, warum er so ungern die Formulare ausstellt, denn er weiß, dass er damit das Todesurteil für einen Menschen besiegelt — ein Schicksal, das auch ihm in Kürze droht.)
  3. Show in what way the Reardons are being portrayed in the course of the story. (Während er eher ruhig bleibt und versucht zu beschwichtigen, erscheint sie immer mehr als die dominante Figur, die buchstäblich bereit ist, über Leichen zu gehen, um ihren Traum von einer Familie zu erfüllen.)
  4. Explain how the circumstances influence Mrs Reardon’s behaviour. (Sehr gute Schüler kommen schon in der Charakteristik darauf, aber in der Regel ist dieser Hinweis nötig. Mrs. Reardon ist, auch wenn sie besonders skrupellos erscheint, keineswegs als Monster zu sehen. Vielmehr ist sie eine ganz normale Frau, die jedoch aufgrund des äußeren Drucks jedes Maß für ethische Normen verliert.)
  5. Analyse the satirical elements you find in the text. (Doppeldeutigkeit des Titels, scheinbar sinnlose Bürokratie, das hysterische Verhalten von Mrs Reardon, „Geriatric Fair Play Law“)

Diskussion/Kreative Aufgaben

  1. Sketch the future of the Reardons‘ marriage.
  2. Add an episode to this story, in which the first and the second clerk meet after work exchanging their views on their working conditions and the apartment seekers.
  3. Imagine the Reardons die twenty years after these events and are summoned before a heavenly court to answer for this crime. Act out the trial. (Lässt sich gut in Gruppenarbeit durchführen, indem jedes Gruppenmitglied eine andere Rolle im Prozess einnimmt. Vorbereitend müsste besprochen werden, wie so ein Prozess abläuft und welche Personen beteiligt sind. Die Anzahl der Beteiligten in Bezug auf diese Aufgabe ergibt sich aus der Gruppenstärke — jeder Schüler sollte mindestens eine Rolle übernehmen. Alternativ kann auch einfach nur eine Szene geschrieben werden.)

Valentine Ermatinger: Die 13. Prophezeiung

Der Jugendroman ist mir von einem Kollegen empfohlen worden, der ihn schon mehrfach in Klasse 5 bzw. 6 unterrichtet hat. Obwohl er extrem spannend geschrieben ist (Zwei Kinder bleiben als einzige Menschen nach einer vernichtenden Katastrophe auf der Erde, und nach aufregenden, übernatürlichen, vor allem aber lebensbedrohlichen Erlebnissen finden sie mithilfe von Fabelwesen zueinander), habe ich lange überlegt, ob ich ihn tatsächlich mit meiner sechsten Klasse lesen soll. Für meinen Geschmack werden menschliche Beziehungen und Verhaltensweisen zu sehr simplifiziert und moralisiert, die Figuren sind mir zu sehr idealisiert — wahrscheinlich trifft das den Geschmack und den Horizont von Elf- bis Zwölfjährigen, aber meiner Meinung nach kann man Kindern dieser Altersgruppe durchaus mehr Komplexität zumuten. Warum ich den Roman dennoch in Angriff genommen habe: Nach einer Leseprobe waren fast alle in der Klasse sofort Feuer und Flamme, sodass ich diese Begeisterung einfach ausnutzen musste.

Einen Inhaltsüberblick, didaktische Überlegungen und Unterrichtshinweise findet man bei Jörg Meyenbörg im Rahmen der Reihe „Rotfuchs im Unterricht“, die für meine Zwecke aber wenig ergiebig waren. Zum einen wollte ich in der Arbeit mit dem Roman das genaue, informationserschließende Lesen in den Vordergrund stellen, zum anderen steht noch eine Grammatikarbeit zu den Zeiten an, die im Anschluss an die Lektüre stattfinden soll und natürlich schon vorbereitet werden muss. Im Vorfeld der Lektüre haben wir Fabeln behandelt, sodass der Roman am Ende unter dem Gesichtspunkt der Fabel-haften Elemente interpretiert werden soll — auf diese Weise werden für mich die moralisierenden Elemente erträglicher (Arbeitsblatt).

Die Einheit ist insgesamt so angelegt, dass die Kinder sehr viel eigenständig erarbeiten. Am Ende der Einheit sollen sie ihre Lesemappe abgeben. Um die Korrekturzeit niedrig zu halten, werde ich zu diesem Zeitpunkt nur die Gestaltung und Vollständigkeit werten. Zuvor sollen mir die Schüler regelmäßig bearbeitete Aufgaben einreichen (sie dürfen drei auswählen, ausgenommen die Grammatikaufgaben), die aber zuvor schon von zwei Mitschülern Korrektur gelesen sind. Die kann ich, wenn nichts anderes anliegt, während des Unterrichts durchsehen und werten. Zur Orientierung bekommen die Schüler einen Bewertungsbogen für die Aufgaben und einen für die Gestaltung (bewertungsbogen-gestaltung.doc) an die Hand, die auch ich benutzen werde.

Ganz ohne Frontalunterricht geht es natürlich auch nicht; an allen Punkten, wo es um die Bewertung bzw. Interpretation der Handlung geht, müssen die Zwischenergebnisse besprochen werden: z.B. beim Vergleich der Politiker im Buch mit realen Volksvertretern oder der Interpretation des Romans als Fabel.

Zur Grammatik: Bevor die Schüler die Grammatikaufgaben lösen können, müssen sie sich einen Überblick über die Tempora erstellen. Hierzu erhalten sie Auszüge aus H.J. Heringers Kleine deutsche Grammatik (Cornelsen), da unser Deutschbuch in dieser Beziehung nicht genug hergibt. Auch dies soll eigenständig geschehen, allerdings werden die gelösten Aufgaben nachher eingehend verglichen bzw. besprochen (losung-tempusbestimmung.doc).

Inzwischen habe ich eine Übungsarbeit mit den Kindern durchgenommen. Die Lösung kann man entweder auf Folie ziehen oder als Kopie zur Selbstkontrolle ausgeben. Die eigentliche Arbeit wird etwas kürzer ausfallen (weniger Formen bestimmen), damit die Schüler nicht zu sehr unter Zeitdruck geraten.

Zum Thema „Rote Pest“: Zufällig habe ich in bild der wissenschaft 12, 2006 einen Artikel über Bakterienfilme gefunden, den ich eingescannt, gekürzt und leicht vereinfacht habe. Ein Vergleich mit den Bakterien im Roman, welche (fast) alles Leben zerstören, wird zeigen, dass diese Darstellung — wenn auch extrem — durchaus vorstellbar ist.

Gerade eben habe ich bei 4teachers weiteres Material (Erstellung eines Lesetagebuches und Rätsel zum Buch) entdeckt, das interessant zu sein scheint.

Weitere Aufgaben habe ich hier entdeckt.

Superheroes

Dreizehnter Jahrgang Grundkurs Englisch: Abitur ist geschrieben, die letzte Klausur steht Ende April an — und dann? Wie motiviert man zwischen Maifeiertagen, Kursfahrt und mündlichem Abitur (noch ca. fünf Unterrichtsstunden) die Schüler dazu, noch irgend etwas Sinnvolles zu tun?

Eine Umfrage im Kurs (einzige Bedingung: eine Beziehung zum vom Lehrplan vorgeschriebenen Semesterthema „Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen“ muss sich herstellen lassen) führte zum Thema Superheroes. Welche Helden behandelt werden, haben sich die Schüler selbst ausgesucht — Frankensteins Monster fällt etwas aus der Reihe, die Ninja Turtles sind doch sehr kindisch, aber warum nicht. (Alle Arbeitsaufträge — Ergebnis soll eine Talkshow-Simulation basierend auf eigenen Recherchen sein — finden sich in der obigen Datei.)

Als Mindestgröße für eine Arbeitsgruppe würde ich hier vier ansehen, da sonst die Rollenbesetzung schwierig wird. Sollte als Produkt eine Radiosendung gewählt werden, könnte ein Schüler auch mehrere Rollen übernehmen.

Vom Niveau her ließe sich dieses Mini-Projekt sicher auch in einer neunten oder zehnten Klasse durchführen, allerdings müsste man eine homogenere Gruppe von Helden auswählen, das Info-Material hierfür noch sprachlich aufbereiten und als Kopie ausgeben. So habe ich nur Links zu Webseiten angegeben und überlasse den Schülern die Informationsbeschaffung als Hausaufgabe. Voraussetzung ist auch, dass man die Struktur einer Talkshow mit den Schülern besprochen hat.

Ansonsten ist mein Ziel, während der Unterrichtsstunden möglichst viel auf Englisch mit den einzelnen Schülern zu reden und diese auch innerhalb ihrer Gruppen zum Englischsprechen anzuhalten. Falls wir im Anschluss an die hoffentlich unterhaltsamen Präsentationen noch eine tiefsinnige Diskussion zum Thema „Science and Mankind“ zustandebringen — so be it.

Zeit- und Kraftmanagement

Gerade mit den beiden Korrekturfächern überlebt man langfristig nur, wenn man sich die Zeit sinnvoll einteilt, denn der Tag hat nun einmal nicht mehr als vierundzwanzig Stunden. Dass es nötig ist, wieder intensiver über Arbeitsstrukturierung nachzudenken, wurde mir mit dem Beginn der Osterferien bewusst, die ich wie jedes Jahr buchstäblich aus dem letzten Loch pfeifend erreicht habe: neben der normalen Unterrichtsvorbereitung haben Hausaufgabenkontrolle, Lernplanarbeit, Abiturkorrekturen, Planung und Korrektur von Arbeiten, Elterngespräche, Schülergespräche, uvm. doch einen erheblichen Teil meiner Kraft beansprucht.

Vor allem möchte ich das vermeiden, was der teacher in seinem Blog beschreibt: Faulheit, die zulasten eines sinnvollen und überzeugenden Unterrichts geht (nichts gegen intelligente Faulheit).

Hier nun ein Überblick über die Entschlüsse, welche ich getroffen habe, um mir die Arbeit nicht über den Kopf wachsen zu lassen:

  • Den Unterricht möglichst so anlegen, dass Hausaufgabenkontrollen z.B. in einer Stillarbeitsphase erfolgen, damit nicht so viel zu Hause korrigiert werden muss. Genauso können Arbeitshefte und Berichtigungen möglichst schon während der Stunde auf Vollständigkeit kontrolliert werden.
  • Unterrichtseinheiten und Arbeiten mit Kollegen absprechen und tauschen (klappt inzwischen hervorragend; diejenigen, welche zwar gern entgegennehmen, aber nichts austauschen, sind zum Glück selten geworden)
  • Weniger kopieren und mehr mit den Lehrbüchern arbeiten (auch wenn nicht alles darin überzeugend ist), zusätzliche Arbeitsblätter als „Bonbon“ einsetzen, und nicht ganze Einheiten damit bestreiten
  • Übungen und Merkzettel von Schülern erarbeiten lassen (z.B. als „Spickzettel“ vor einer Arbeit). Wenn man dies arbeitsteilig angeht und dann noch Schüler findet, die die Ergebnisse in digitale Form bringen, dann muss man nur noch die Dateien editieren und hat als Ergebnis mehrere Stationen als „Übungsarbeit“.
  • Arbeiten so planen, dass möglichst nicht mehrere Heftstapel gleichzeitig auf meinem Tisch landen (lässt sich durchhalten, solange ich nicht meine Stundenzahl von ca. dreiviertel weiter erhöhe)
  • Arbeiten so planen, dass sie leichter zu korrigieren sind, z.B.: Schülern genügend Zeit lassen, damit sie nicht so viele Flüchtigkeitsfehler machen; Aufgaben eingrenzen, sodass bestimmte Kompetenzen abgefragt werden und die Schüler nicht endlos schreiben (z.B. auch Multiple Choice, um Textverständnis abzufragen)
  • Zeit nehmen, um Arbeiten am Stück zu korrigieren. Dies kostet zwar vor allem bei Klausuren und Aufsätzen das ein oder andere Wochenende, geht aber insgesamt schneller, als wenn ich mich jedes Mal wieder von vorn einlesen muss.
  • Zeit für Korrekturen fest einplanen (Überschlag, wie viele Minuten pro Heft benötigt werden, und dann eine Zahl von Arbeiten festlegen, die korrigiert werden müssen): Dies gelingt mir immer besser, sodass ich mir außerhalb dieser Zeiten bewusst frei nehmen kann und nicht mehr mit schlechtem Gewissen herumlaufen muss, weil der Stapel unkorrigierter Hefte noch auf meinem Schreibtisch liegt.
  • Korrekturbögen (Deutschaufsatz, Oberstufenklausuren) verwenden, um nicht in jeder Arbeit die gleichen Bemerkungen an den Rand zu schreiben. Man muss dann auch die Arbeit so planen, dass man mit Korrekturbogen arbeiten kann, also spezielle Fertigkeiten üben und anhand dieser Kriterien dann bewerten.
  • Berichtigung eingrenzen: entweder die Arbeit gemeinsam mit der Klasse besprechen und berichtigen oder die Anzahl der zu berichtigenden Fehler reduzieren (Kinder, die sowieso schon viele Fehler gemacht haben, sind durch die Note gestraft genug; der Frust schlägt sich meist dann in einer erneut fehlerhaften Berichtigung nieder…).

Weitere interessante Tipps und Überlegungen finden sich in einem aktuellen Thread des Lehrerfreundes.