Myron Levoy: Ein Schatten wie ein Leopard

April 6, 2008 von Corinna Schwartz
Das Jugendbuch habe ich gerade in einer 7. Klasse (auf Wunsch der Schüler) gelesen und auch am Ende der Einheit war die überwiegende Mehrheit der Schüler der Meinung, dass sie das Buch weiterempfehlen würden. Es kommt also sowohl bei Jungen und Mädchen an, obwohl es in einer rein maskulinen Welt spielt, und zwar im New York der frühen 80er Jahre im Milieu puertoricanischer Einwanderer.
Der 14-jährige Ramon Santiago, der zu Beginn des Romans völlig auf sich gestellt ist (Mutter liegt im Krankenhaus, Vater ist im Gefängnis), möchte unbedingt Mitglied einer Jugendbande werden, um so seinem Vater zu imponieren, der ihn für ein Weichei hält. Der Roman beginnt damit, dass er als Einstiegsprüfung an Raubüberfällen teilnehmen und auch einen allein durchführen soll. Dieser Überfall auf den 76-jährigen Glasser, ein mürrischer und an seinen Misserfolgen verzweifelter Maler, verläuft jedoch anders als geplant ….
Wer an einer ausführlicheren Inhaltsangabe und Analyse interessiert ist, kann sich vom dtv-Verlag den Unterrichtsvorschlag von Wilfried Lange herunterladen (Registrierung notwendig). Hier stellt Lange u.a. das Projekt vor, das er mit einer 8. Klasse durchgeführt hat und auf dessen damals erstellte Webseite ich meine Schüler immer wieder verwiesen habe.

Mit den meisten Jugendbüchern habe ich so meine Probleme, da der Wunsch, den jungen Lesern Weisheiten fürs Leben mitzugeben, oft an allen Ecken durchscheint und trotz eventuell spannend geschriebener Szenen Missstimmung aufkommen lässt. Auch dieses gehört meiner Meinung nach in diese Kategorie: Am Ende lernt der Junge, dass er er selbst ist und seinen eigenen Zielen folgen soll — wie schön. ;) Um den Schülern die Lektüre nicht durch meine eigene Langeweile zu vermiesen, ließ ich sie möglichst selbständig arbeiten, indem ich einen Aufgabenbogen hineingab. Während der Stunden hatte ich dann eher beratende Funktion bzw. korrigierte Aufgaben, die schon von zwei Mitschülern Korrektur gelesen und bei mir abgegeben worden waren. Die entsprechenden Noten wurden von mir auf einem Bewertungsbogen eingetragen. Einen Nachteil dieser ansonsten recht entspannten Unterrichtseinheit möchte ich nicht verschweigen: Die Durchsicht der fertigen Lesehefter kostet schon einiges an Zeit.

Zwischendurch wurden immer wieder Reflexionsphasen einbezogen, die den Schülern Gelegenheit gaben, Fragen zu stellen und Verständnisschwierigkeiten zu klären. Auf der Basis der aufgekommenen Fragen erhielten sie zum Abschluss Rechercheaufträge zu Hintergrundinformationen, die in Form eines Gruppenpuzzles organisiert und anschließend in einer Mind Map festgehalten wurden.

Zeitbedarf

  • Lektüre und Bearbeiten der Aufgaben (10 Std.)
  • Korrekturlesen und Klärung von Fragen (3 Std.)
  • Gruppenpuzzle (3,5 Std.)

Bewertung

Bewertung Inhalt (60%):

  • Kapitelüberschriften und persönliche Eindrücke: 20%
  • kreative Aufgaben (Rollenprofil, Ramons Ringbuch, Gespräch zw. Ramon und Felipe): 50%
  • analytische, sprachl. Aufgaben (Figurenkonstellation, Handlungsorte, Adverbialsätze, Sprache des Streitgesprächs und Umformulierung des Gesprächs): 30%

Bewertung Gestaltung (40%):

  • Sprachrichtigkeit: 30%
  • Schrift: 20%
  • Vollständigkeit und Ordnung: 30% (Hier zählte auch mit hinein, ob die Schüler es geschafft hatten, mir zwei Texte im Unterricht zur Bewertung vorzulegen.): 30%
  • Gestaltung: 20%

Darüber, in welchem Maße und in welcher Qualität die Schüler anderen Rückmeldungen zu ihren Texten gemacht hatten, habe ich mir während des Unterrichts Notizen gemacht; ebenso beim abschließenden Gruppenpuzzle.

Parodien auf Weihnachtslieder

Dezember 18, 2007 von Corinna Schwartz

Es ist zwar etwas spät, aber hier kommt eine nette Idee für die letzten Tage vor Weihnachten, passend für Weihnachtsmuffel wie mich, denen es schwer fällt, in dieser hektischen Zeit irgendwie in der Klasse eine besinnliche Stimmung herbeizuzaubern — Zeitbedarf etwa zwei bis drei Stunden (ab 7. Klasse).

  1. Die Schüler listen erst einmal für sich selbst auf (gern auch als Brainstorming, wenn die Methode bekannt ist), was sie an Weihnachten überhaupt nicht leiden können. Anschließend tauschen sie sich in Kleingruppen darüber aus, welches die fünf wichtigsten Punkte sind, und stellen diese der Klasse vor.
  2. Anschließend werden bekannte Weihnachtslieder „gesammelt“; es kann auch nicht schaden, wenn die Schüler sie sich innerhalb der Gruppe gegenseitig vorsingen.
  3. Jeder sucht sich jetzt „sein“ Lied aus und dichtet es um, sodass eine weihnachtskritische Parodie entsteht. Dies kann auch gut als Hausaufgabe gegeben werden.
  4. In der Gruppe tragen sich die Schüler gegenseitig die Lieder vor und glätten gegebenenfalls den ein oder anderen Vers. (Bei Bedarf helfe ich hier auch ein.) Die besten werden zum Vortrag vor der Klasse ausgewählt. Der Vortrag kann dann z.B. im Rahmen einer „alternativen“ Weihnachtsfeier (mit Keksen!) zum Abschluss stattfinden.

Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber man könnte das auch in einer neunten oder zehnten Klasse durchführen. Hier würde ich jedoch Lieder mitbringen und die zunächst besprechen (z.B. We wish you a Merry Christmas, Jingle Bells).  Für die Vorbereitung vor dem Schreiben bräuchte man auch etwas mehr Zeit, um das Vokabular zu sichern.

Rechtschreibung (Unterstufe)

November 3, 2007 von Corinna Schwartz

Es ist natürlich leicht, in die „Früher-war-alles-besser-Falle“ zu tappen, aber mein subjektives Gefühl, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder seit meiner eigenen Schulzeit extrem nachgelassen haben, ist inzwischen durch mehrere Studien bestätigt worden. Aus welchen Gründen auch immer fehlt zu vielen Schülern Grundwissen, wenn sie von der Grund- auf die weiterführende Schule wechseln. Schuldzuweisungen, etwa an die Schulen, die Elternhäuser oder die Medien oder die Gesellschaft im Allgemeinen helfen hier nicht weiter. Es müssen vielmehr pragmatische Wege gefunden werden, um diese Defizite auszugleichen, die sich sonst ein ganzes Schulleben und noch darüber hinaus fortsetzen. Eine Laisser-faire-Haltung etwa im Sinne von „Ist doch nicht so wichtig; Rechtschreibfertigkeiten sagen schließlich nichts über die Intelligenz aus“ hilft den Betroffenen nicht, denn spätestens wenn sie sich um eine Stelle bewerben, kann sich eine Rechtschreibschwäche als Knock-out-Kriterium erweisen.Eine weitere Beobachtung, die nicht nur ich, sondern auch viele Kollegen gemacht haben, betrifft das gezielte Einüben von Rechtschreibschwierigkeiten: Konzentriert man sich auf einzelne Phänomene und Regeln, stellt man fest, das gerade die Schwächeren nicht davon profitieren, sondern vielmehr noch verunsicherter sind als zuvor. Dies zeigt sich u.a. an einer erhöhten Verwechslung der geübten Schreibweisen. Bei den Betroffenen bleibt so vor allem hängen: „Das lerne ich nie!“ — Nicht gerade die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Rechtschreibkarriere.

Für meinen Unterricht habe ich deshalb folgende Schlüsse gezogen:

  1. Richtig schreiben lernt man nur durch Schreiben. Deshalb vergeht bei mir (fast) keine Stunde, in der nicht geschrieben wird, und seien es auch nur ein paar Sätze. Ähnlich verfahre ich bei den Hausaufgaben, die nur in Ausnahmefällen (z.B. Leseübungen) rein mündlich sind.
  2. Richtig schreiben lernt man nur durch richtiges Schreiben. Fehler, und seien sie auch nur zu Demonstrationszwecken angeführt, lasse ich nie von den Schülern abschreiben, auch nicht für Merkzettel. Bei Arbeiten müssen meine Schüler nur eine fest begrenzte Anzahl von Fehlern berichtigen, diese aber perfekt. (Schüler, die sowieso schon viele Fehler gemacht haben, bauen in eine unüberschaubar lange, und damit frustrierende Berichtigung nur noch mehr Fehler ein. Der Lerneffekt ist dann gleich null.)
  3. Rechtschreibung ist immer wichtig, nicht nur, wenn man für Diktate übt. Bei Schreibübungen erfolgt (fast) immer eine Überprüfung der Rechtschreibung, sei es durch mich oder Mitschüler. Bei Aufsätzen plane ich eine Korrektur- und Überarbeitungsphase ein, in unteren Klassen bevorzugt in der darauffolgenden Stunde am nächsten Tag, weil die Konzentration dann besser ist. (Wenn die Verbesserungen mit Bleistift gemacht werden, erfährt man Aufschlussreiches über die Korrekturstrategien der Schüler und kann entsprechend Tipps geben. Außerdem vermeidet man so das Problem, dass etwas Unerlaubtes (inhaltliche Verbesserungen) hinzugefügt werden könnte.)
  4. So weit möglich, verzichte ich vor allem in den unteren Klassen auf Kontrastierungen, weil diese nur noch mehr verwirren. Geht es in einer 5. Klasse also um das Festigen der Schreibung mit Doppelkonsonanz, versuche ich, die Schreibung bei Langvokal auszuklammern. Nur wenn Ersteres gefestigt ist, gehe ich zum Zweiten über, vorzugsweise erst in einer späteren Einheit.
  5. Weniger ist mehr: Ich versuche, den Kindern wenige eingängige Proben und Strategien auf den Weg zu geben und Ausnahmen möglichst auszuklammern. Schreiben erfolgt intuitiv. Es ist unrealistisch zu glauben, dass man den Schülern hilft, wenn man ihnen möglichst viele Regeln an die Hand gibt. (Erschreckt hat mich ein Kollege, der vor längerer Zeit in einem Diskussionsforum des Lehrerfreunds zum Thema „Rechtschreibreform“ alle Regeln und Besonderheiten der S-Schreibung durchdeklinierte, um zu zeigen, wie widersprüchlich die Regelungen seien. — Wenn er so unterrichtet, kann ich verstehen, dass die Schüler am Ende ratlos sind.) Vielmehr müssen die Schüler lernen, sich beim Üben auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es gilt nicht in erster Linie, alle Wörter richtig zu schreiben, sondern die meisten. Beispielhaft ist hier m.E. das Übungsheft des Klett-Verlags Richtig Schreiben — aber sicher. Darin wird den Lernenden gezeigt, was sie können müssen um möglichst viele Wörter sicher zu schreiben. Ausgehend von diesem Heft habe ich für meine Schüler ein Übersichtsblatt entwickelt, in der die wichtigsten Strategien und Proben hierarchisch geordnet sind, also vom Einfachen zum Komplexen übergehen. Wann ich dieses Blatt hineingebe oder ob ich es ggf. vereinfache, ist abhängig vom Leistungsstand der Klasse. Zum einen lässt es sich einsetzen, um sinnvolle Berichtigungen anzufertigen (bei Fehler ähnlich geschriebene Wörter bzw. Probe anführen) oder um Schüler dazu anzuregen, sich gezielt „Spickzettel“ gegen ihre eigenen Schwierigkeiten anzufertigen.
  6. Bei besonders rechtschreibschwachen Schülern fordere ich zusätzliches Üben ein — vorzugsweise in Zusammenarbeit mit den Eltern, z.B. in Form von Diktaten oder Abschreibdiktaten (nicht mehr als fünf Min. pro Tag) oder durch Anfertigen von Merkzetteln. Bei Letzteren kann man die Wirkung erhöhen, indem jedes Phänomen auf einen separaten, möglichst verschiedenfarbigen Zettel notiert wird. Wenn diese Zettel dann an unterschiedlichen Pätzen zum Lernen aufgehängt werden, hilft dies zusätzlich, Verwechslungen zu vermeiden. Darüber hinaus kann man noch das Üben mit einem Lernheft (mit Lösungen) empfehlen, z.B. das oben angeführte.

 

Märchen (6. Klasse)

September 10, 2007 von Corinna Schwartz

Abgesehen von den Einheiten in den Lesebüchern (an unserer Schule arbeiten wir mit dem Deutschbuch von Cornelsen) findet sich auf den folgenden Seiten eine Fülle von Material bzw. Arbeitsanregungen, mit denen man eigene Akzente setzen kann:

Am Beginn der Einheit steht erst einmal das Lesen und Erzählen von Märchen, wobei sich oft herausstellt, dass die Kinder kaum noch Märchen kennen, und wenn, dann nur in der Disney-Zeichentrickversion oder aus der Serie Simsala Grimm. Ausgehend von diesem Befund stelle ich dann eine Reihe von Märchen zusammen, die entweder gemeinsam gelesen und untersucht bzw. selbstständig gelesen werden sollen. (Dabei ist durchaus erwünscht, dass die Kinder sich einen Märchenband aus der Bibliothek ausleihen, sollte zuhause keiner vorhanden sein.) Nebenbei kann man dann auch noch den Unterschied zwischen mündlich erzählten und schriftlich festgehaltenen Märchen thematisieren, denn wenn die Kinder selbst Märchen mit in den Unterricht bringen, werden schnell die unterschiedlichen Varianten sichtbar.

Der zweite Schritt besteht dann im Untersuchen von Märchen, um die typischen Merkmale herauszuarbeiten. Abhängig von den gelesenen Texten könnte ein Tafelbild entstehen bzw. Arbeitsblatt ausgefüllt werden. (Methodisch könnte man entweder lehrerzentriert mit Unterrichtsgespräch und Festhalten an der Tafel/dem OHP arbeiten oder mit arbeitsteiliger Gruppenarbeit, wobei dann die einzelnen Schülerergebnisse auf Folie festgehalten, vorgestellt und anschließend für die Klasse kopiert werden.)
Fruchtbar sind im Anschluss an die Erarbeitung Diskussionen über die Allgemeingültigkeit dieser
Merkmale. Wer ist z.B. beim „Froschkönig“ die Heldenfigur? Der
verzauberte Prinz oder die verwöhnte Prinzessin? Ist „Hans im Glück“
nach diesen Merkmalen überhaupt ein Märchen?

Jetzt geht es an den kreativen Teil: selbst Märchen schreiben. Sehr viele Schreibanregungen finden sich in der Märchenwerkstatt (s.o.). Ich selbst habe mich intensiv mit den Übersetzungen befasst, wobei man ein modernes Märchen in die Gegenwart bzw. Zukunft überträgt. Zunächst erarbeitet man mit den Schülern die Figuren sowie die einzelnen Stationen der Handlung eines relativ übersichtlichen Märchens (z.B. Froschkönig, Rotkäppchen, Dornröschen, Aschenputtel, Frau Holle, …). Die Schüler müssen sich nun überlegen, wie man die Handlung sinnvoll übertragen kann, sodass ein neues, modernes Märchen entsteht, bei dem man dennoch die Strukturen des alten erkennen kann. Als Hilfe erhalten sie hierfür ein Arbeitsblatt, auf dem sie stichwortartig ihre Ideen eintragen. (Gleichzeitig übt man dabei das Erarbeiten eines Konzepts vor dem Schreiben.)

Wenn man dies als Klassenarbeit stellt und die Kriterien entsprechend formuliert, macht die anschließende Korrektur sogar Spaß, weil man viele interessante Texte erhält, die sich auch noch zügig bewerten lassen. Ausreichend wäre, wenn sich der Schreiber wenig von der Vorlage löst und nur schematisch überträgt; mangelhaft, wenn das neue Märchen in sich unstimmig wird bzw. man die Vorlage nicht mehr wiedererkennt; gut bis sehr gut, wenn Handlung, Figuren und Raum zu einem in sich stimmigen Ganzen verarbeitet werden.

Ablauf der Arbeit:
Dauer: zwei Schulstunden

  1. Märchentext lesen
  2. Ideen in das Arbeitsblatt eintragen (Stationen sind von mir vorformuliert, damit die Texte nicht ausufern)
  3. Text schreiben
  4. Rechtschreibkorrektur (Sollte die Zeit nicht ausreichen, gebe ich im eigenen Interesse die Hefte in der Folgestunde noch einmal für ca. 15Min. aus. Wenn man die Korrekturen in dieser Stunde mit Bleistift durchführen lässt, können keine inhaltlichen Änderungen vorgenommen werden, ohne dass man es merkt.)


 

Global Warming

Juli 6, 2007 von Corinna Schwartz

Wie schon nebenbei im Zusammenhang mit den Kurzgeschichten „Apartment Hunting“, „Tomorrow…“, „Earth Day“ erwähnt, stand das Semester 13.2 unter dem vorgegebenen Thema „Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen“. (In anderen Bundesländern mag es etwas anders formuliert sein; gemeint ist natürlich die Auseinandersetzung mit environmental problems.)

Nach einer Vorbesprechung einigten wir (der Kurs und ich) uns auf die beiden Bereiche Global Warming und Overpopulation als Schwerpunkte. Am Anfang standen die Kurzgeschichten Earth Day und Television Special, um die Schüler dafür zu sensibilisieren, dass seit mehreren Jahrzehnten die Befürchtung besteht, dass wir Menschen unseren Planeten ruinieren und unbewohnbar machen, dass aber die Themen bestimmten Moden unterworfen sind (Umweltverschmutzung, Atomenergie, Ölkrise im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts — „Klimakatastrophe“ heute), womit dann der Bogen zum global warming, und damit zu Al Gore geschlagen war.

Wenn mehr Zeit gewesen wäre, hätten wir uns auch eingehender mit Al Gores Film An Inconvenient Truth befasst (Links zum Skript und zu einem study guide finden sich bei JochenEnglish.). Da aber das schriftliche Abitur anstand und großer Bedarf bestand, den Umgang mit Texten zu üben, stand hier die Textarbeit im Vordergrund — abgesehen von den Kurzgeschichten zwei Artikel, die sich mit den Auslassungen des Viscount Monckton of Brenchley im Sunday Telegraph auseinandersetzen: einmal ein Kommentar George Monbiots im Guardian (This is a dazzling debunking of climate change science) und zum anderen eine Replik Gores im Telegraph: At stake is nothing less than the survival of human civilisation (gekürzt). Es ist sinnvoll, beide Texte parallel zu lesen, weil so die jeweiligen Anspielungen besser verständlich werden und weil die Autoren eine unterschiedliche Zielsetzung haben: Während im Zentrum von Monbiots Text Medienkritik steht — seiner Meinung nach hätte ein solch irreführender Artikel wie Moncktons nie veröffentlicht werden dürfen –, appelliert Gore an die Leser, sich der Herausforderung des Klimawandels zu stellen. Beide Autoren verwenden Ironie, um Monckton zu desavouieren, Monbiot argumentiert jedoch viel emotionaler.

Da die Artikel viel Fachvokabular enthalten und der Satzbau vor allem bei Gore sehr komplex ist, mussten sie vorentlastet werden. Aus diesem Grund erhielten die Schüler zunächst einen deutschsprachigen Artikel aus der Zeit (Was heizt die Erde auf?), in dem sie erst wichtige Begriffe übersetzen und dann die vorgestellten Zusammenhänge in einer (englischsprachigen) Grafik darstellen mussten. Der Vorteil dieses Artikels ist, dass er den gegenwärtigen Stand der Forschung relativ neutral zusammenfasst und auch die Unsicherheiten der zugrundeliegenden Klimamodelle darstellt. Diese Unsicherheiten sollten besonders herausgestrichen werden, um auf den Streit vorzubereiten, der im Zentrum der beiden Artikel steht.
Um Gores Text zu verstehen, mussten die Schüler auch mit „hockey-stick graph“ und „Stern report“ etwas anfangen können. Aus diesem Grund erhielten sie arbeitsteilig eine diesbezügliche Recherche-Aufgabe mit der Maßgabe, einen Kurzvortrag vorzubereiten (Eine Eingabe der Begriffe in der Suchmaschine liefert sinnvolle Seiten.).

Da Monbiot die Vorwürfe des Viscounts konkreter wiedergibt, sollte man diesen Text zuerst lesen, um dann Gores gegenüberzustellen. Hier einige Fragen an die Texte:

  1. Underline in the texts all the information on the criticism the Viscount Monckton has voiced against the models of global warming.
  2. Make a list in which you contrast this criticism to the comments by Monbiot/Gore. (Tafelbild)
  3. Show where and to what effect Montbiot/Gore uses irony in the text. (Eine offenere, und damit anspruchsvollere Fragestellung: Explain the strategy Montbiot/Gore uses to refute the Viscounts arguments.)
  4. Monbiot doesn’t only criticise Monckton but also the media. Sum up this criticism.
  5. Explain Gore’s final appeal to the reader.
  6. Prepare a panel discussion/debate on the topic: Global warming — can we avoid the imminent catastrophe? (Entsprechend der Aufgabenstellung entweder Partner- oder Gruppenarbeit. Bei der Diskussionsrunde müssten entsprechende Rollen vergeben und vorbereitet werden, bei der Debatte die Pro- und Kontra-Positionen in Partnerarbeit gegenübergestellt werden.)
  7. Language/comment: Make a list of all the sentence connectives used in both texts. Write a short essay in which you show your point of view in what way we should react towards global warming using as many connectives as possible.

Je nach Leistungsfähigkeit der Schüler müsste ggfs. kleinschrittiger vorgegangen werden (z.B. Create a headline for each paragraph). Um ein nervtötendes Frage-Antwortspiel zu vermeiden, lasse ich gern solch schwierige Texte in Kleingruppen erarbeiten, wobei ich auf eine Mischung von stärkeren und schwächeren Schülern achte, sodass sie sich gegenseitig erklären können, was gemeint ist. (Meine Aufgabe besteht dann darin, bei gravierenden Schwierigkeiten zu helfen bzw. darauf zu achten, dass die Schüler untereinander Englisch reden.)