Christian Linker: Das Heldenprojekt (dtv)

Das Heldenprojekt handelt von einer Gruppe Elftklässler, die ausgehend von einer Spontanaktion immer intensiver gegen eine rechtsextreme Partei, den BBO, vorgehen, um zu verhindern, dass dieser bei der anstehenden Kommunalwahl ins Stadtparlament gelangt. Neben dieser politischen Handlung spielt aber auch das allgemeine Lebensgefühl dieser Jugendlichen eine große Rolle, bestimmt von Schule, Freundschaft und Verantwortung, ersten Liebesbesbeziehungen usw. (Ein genauer Handlungsüberblick sowie einige interessante didaktische und methodische Anregungen finden sich bei dtv – inzwischen muss man sich aber registrieren, um die Unterrichtsmaterialien nutzen zu können. )

Sprachlich ist der Roman etwas gewöhnungsbedürftig, da die Jugendsprache sehr realitätsnah wiedergegeben wird (wurde sogar von meiner Klasse moniert); außerdem ist die Handlung nicht in allen Punkten politisch korrekt, was m. E. aber auch den Reiz des Textes ausmacht, denn es erfolgt keine plumpe Schwarz-weiß-Malerei. Ich habe das Buch jetzt mit einer achten Klasse gelesen, da diese sehr politisch interessiert ist, neunte und zehnte Klasse wären sicher passender, da man hier mehr politisches Vorwissen voraussetzen kann und die Schüler auch altersmäßig dichter an den Protagonisten sind.

Zu Beginn der Einheit (vollständige Lektüre war vorausgesetzt) sollten die Schüler in arbeitsteiliger Gruppenarbeit die Jugendlichen, welche zum “Projekt” gehören, vorstellen und ihr Ergebnis stichwortartig auf einem Plakat notieren. Dieses blieb während der weiteren Arbeit an der Wand, damit jederzeit darauf Bezug genommen werden konnte. Anschließend wurde eine Zeitleiste mit den wichtigsten Stationen der Handlung erstellt (die dann auch in der anschließenden Arbeit benutzt werden durfte).

Die eigentliche Arbeit mit dem Roman bestand jedoch darin, weitere Szenen zur Handlung hinzuzufügen und dadurch zu einem vertieften Verständnis zu gelangen. Hierzu wurden mit den Schülern die Themenschwerpunkte des Romans festgelegt und jedem Themenkreis die wichtigsten Figuren zugeordnet (z.B. “Liebe”: Ebru und Pia (gleichgeschlechtliche Liebe); Sebi, Magnus und Marie (Flirten vs. echte Liebe)). Anschließend erhielten die in Gruppen eingeteilten Schüler folgende Aufgabe:

Entwickelt Szenen in Bezug auf euer Thema, in denen das Verhalten der Betroffenen von anderen beurteilt wird. Ihr könnt hierzu Figuren aus dem Roman auftreten lassen, aber auch selbst passende Figuren entwickeln (z.B. Mitschüler, Eltern, andere Erwachsene). Achtet darauf, dass die gewählten Figuren zu den Originalen im Roman passen.

Für die Vorbereitung (Festlegung der Inhaltsschwerpunkte, Schreiben und Überarbeiten der Szenen, Probe) hatten die Schüler fünf Unterrichtsstunden; weitere Hausaufgaben wurden in dieser Zeit nicht gegeben. Vor der Präsentation erhielten die Gruppen einen (relativ offen gehaltenen) Kriterienbogen, der gleichzeitig auch Grundlage für die Besprechung der Vorstellungen war, damit sie wussen, worauf es ankam. Über die anschließenden Diskussionen ließen sich dann auch die unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Klasse gut ausloten.

Als Klassenarbeit stand kreatives Schreiben an, wozu der Roman viele Anhaltspunkte bietet und wozu die Schüler durch die Arbeit an den Szenen gut vorbereitet waren. Hier zwei Übungsaufgaben mit Kriterien (perspektivwechsel-bbo.doc, sebis-blog-party.doc).

Da das Wissen über rechte Parteien und deren Strategien in dieser Altersgruppe relativ gering ist, sollte man Info-Material zur Hand haben. Sinnvoll sind hier gesammelte Zeitungsartikel zu rechtsextremen Vorfällen in den letzten Jahren. Außerdem gibt es auf youtube und Antinazi-Media interessante Filmchen (hiervon ausgehend kann man dann, wenn Interesse besteht, auch auf die linke Szene eingehen). Beim”Spiegelfechter” findet sich ein aktueller Beitrag zu dem Vorfall in Halberstadt, bei dem Mitglieder einer Theatertruppe brutal von Rechtsradikalen zusammengeschlagen wurden. Zur eigenen Information empfehle ich den engagierten Artikel bei shift.
Umfassende, aktuelle Informationen über die rechte Szene finden sich auch  auf dem Blog Störungsmelder.

Zum Schluss hat noch eine Schülerin, die ich zuvor darum gebeten hatte, Die Welle von Morton Rhue vorgestellt. Die Organisationsstruktur der “Welle” lässt sich gut mit der des BBO, aber auch des “Projekts” vergleichen. Über diesen Vergleich kann man die Problematik von Ausgrenzung, der Einteilung nach “gut” und “böse” thematisieren. (Insbesondere die Figur Arno (”Arschloch”) Altmeister, der Streber und Außenseiter, der der Faszination des BBO erliegt, lässt sich so noch einmal differenziert beleuchten.)

2 Antworten zu “Christian Linker: Das Heldenprojekt (dtv)”

  1. Julia sagt:

    Haben sie noch mehr Materialien zum Buch???
    Wäre sehr gut zu erfahren,
    Herzlichen Dank!!

  2. cschwartz sagt:

    Das ist alles, was ich im letzten Schuljahr zusammengesammelt habe. Bevor ich das Buch nicht wieder unterrichte, werde ich auch nicht weiter recherchieren, nehme aber gern alle Tipps hier auf.

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